Forschungsgebiet Neurologie

In Deutschland ist ein wichtiges Forschungsgebiet die Neurologie. Das Thema ist einerseits interessant zur Behandlung von Krankheiten, andererseits aber auch für solche Themen wie z.B. Neuromarketing.

Das Forschungsgebiet Neurologie ist eine medizinische Fachrichtung, die sich mit dem Nervenystem des Menschen und seinen Erkrankungen befasst. Da sich die Neurologie mit dem zentralen Nervensystem, das heißt mit Gehirn und Rückenmark, sowie mit den peripheren Anteilen des Nervensystems, also mit der Reizweiterleitung im übrigen Körper beschäftigt, beschreibt sie ein weites Spektrum von Erkrankungen und Symptomen, wodurch sich die Diagnosestellung oft nicht einfach darstellt. Die Überschneidungen zu anderen klinischen Fachgebieten der Medizin, zum Beispiel der Psychiatrie und der Endokrinologie, sind fließend.

Die Neurologie unterscheidet zwischen dem vegetativen oder autonomen Nervensystem, dass für die Selbstregulation verschiedener Vorgänge im Körper (also der Vitalfunktionen wie der Atmung oder der Herztätigkeit) zuständig ist, und dem somatischen Nervensystem, das Grundlage für die Steuerung der höheren Aufgaben (also der Motorik und des Bewusstseins) ist, und die beide zusammen eine funktionelle Einheit bilden. Diese Unterscheidung zeigt bereits, dass die Trennlinie zwischen Geist und Körper nicht so einfach festzulegen ist. Da das Nervensystem aber auch sehr unterschiedliche Aktivitätsniveaus zeigt, werden zwei weitere Begriffe verwendet: der des Sympathikus und des Parasympathikus. Sie beschreiben verschiedene Zustandsformen dieses komplizierten biochemischen Apparates, die gegenseitig antagonistische Wirkungen zeigen, wie sie zum Beispiel im Unterschied zwischen Schlaf- und Wachaktivität des Organismus deutlich werden.

Nicht immer ist die Differenzierung allerdings so offensichtlich. Als Richtschnur gilt, das der Sympathikus anregende und leistungsbezogene Impulse vermittelt und so beispielsweise über erhöhte Wachheit und Aufmerksamkeit die Reaktionsbereitschaft des Körpers auf Umweltreize erhöht ("fight or flight"). Der Parasympathikus ist sein Gegenspieler: sind wir ruhig und entspannt, sorgt er über verschiedene Mechanismen, wie über die Muskelentspannung und die Senkung des Blutdrucks, für die Regeneration unserer Ressourcen.

Alle diese Regelkreise werden im Nervensystem über komplexe Funktionen verschiedener Netzwerke der Informationsverarbeitung und -übertragung gesteuert: Bis zu sechstausend -größtenteils unerforschte- Hormone vermitteln als körpereigene Botenstoffe spezifische Reaktionen an den Organen. Etwa 20 biochemisch teilweise sehr unterschiedlich strukturierte Neurotransmitter sorgen für die Reizweiterleitung und Informationsübertragung an den Synapsen der Nervenzellen.
Ein Versagen oder ein Ausfall einer oder mehrerer Komponenten innerhalb dieser Systeme hat komplexe und sehr unterschiedliche Symptome zur Folge, beispielsweise bei der multiplen Sklerose oder der Parkinsonschen Krankheit. Daher ist in der Neurologie eine besonders gründliche Anamnese und Diagnosestellung erforderlich. Ärzten stehen dafür verschiedene Methoden zur Verfügung, die sowohl die eingehende körperliche Untersuchung, zum Beispiel der Motorik und der Reflexe, wie in zunehmendem Maße auch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie und die Computertomographie mit einschließen.

Der Schlaganfall ("ischämischer Insult") gehört heute zu den Volkskrankheiten und ist mit einer Neuerkrankungsrate von bis zu 200 000 Patienten pro Jahr, nach Herz- Kreislauferkrankungen und bösartigen Tumoren, die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Besonders die Einrichtung von Intensivbetreuungsangeboten für die Behandlung von Patienten mit Hirninfarkten (sogenannten "Stroke Units") an vielen Kliniken hat die Bedeutung einer kompetenten ambulanten neurologischen Versorgung hervorgehoben. Durch die demographischen Veränderungen in einer alternden Gesellschaft nehmen zum Beispiel Morbus Parkinson, aber auch andere degenerative Erkrankungen des Nervensystems, wie die Alzheimer- Demenz, stark zu. Auch die Therapie von Anfallsleiden sowie entzündlichen Muskelerkrankungen und Nervenschädigungen nach Bandscheibenvorfällen oder der Migräne ist Sache der Neurologen.

Waren vor einigen Jahrzehnten noch viele neurologische Erkrankungen nur schwer beeinflussbar oder wurden nicht als solche erkannt, stehen Medizinern heute eine moderne Diagnostik und eine große Auswahl verschiedener Medikamente zur Verfügung. Auch die wissenschaftliche Forschung befasst sich zunehmend mit dem Gehirn und neurophysiologischen Vorgängen. Die Neurologie erfährt durch diese Entwicklungen einen starken Zuwachs und eine verstärkte Relevanz innerhalb der klinischen Medizin. Spezialisierte Abteilungen an Krankenhäusern und in medizinischen Versorgungszentren, aber auch viele niedergelassenene Neurologen behandeln heute Patienten mit neurologischen Erkrankungen aller Art. Viele Krankheiten können so geheilt oder Krankheitsverläufe derart abgemildert werden, dass für die Betroffenen ein weitestgehend selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben ermöglicht werden kann. 

Kategorie: Forschung

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KW 29 - Sonntag, 23. Juli 2017